Thomas Ihrig, (50), ist seit 1993 Bürgermeister von Hesseneck

Herr Ihrig, worin sehen Sie die Vorteile einer Gemeindefusion in der Oberzent für Ihre Gemeinde?

 

Thomas Ihrig: In den letzten Jahren wurden die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der einzelnen Gemeinden immer umfassender. In den kleinen Rathäusern kann z. B. der dabei geforderte Einsatz von Datenverarbeitung bei den geringen Fallzahlen nicht mehr geleistet werden.  Dies ist der Hauptgrund, warum bereits in den letzten Jahren die Standesamtsaufgaben von Hesseneck und Sensbachtal nach Beerfelden abgegeben wurden.

Wir sind alle gefordert, die vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen  sparsam einzusetzen. Durch eine Fusion der vier Oberzent-Kommunen können wir hierbei erhebliche Einsparung und Mehreinnahmen erzielen und gleichzeitig die Verwaltungsabläufe effizienter machen. Wir stärken damit die Leistungsfähigkeit unserer Verwaltung und letztlich auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region gegenüber anderen Städten und Gemeinden.

 

 

Wie soll sichergestellt werden, dass die Belange Ihrer Gemeinde mit all ihrer Ortsteile in einer Großgemeinde angemessen repräsentiert werden?

 

Thomas Ihrig: Kommunale Demokratie gelingt nur, wenn sich immer wieder genügend Mitbürgerinnen und Mitbürger bereit erklären, hier bei Wahlen zu kandidieren und Verantwortung für den eigenen Ort, aber auch fürs Ganze zu übernehmen. Es liegt also in erster Linie an den Parteien und Wählergruppen, hier alle Orte zu repräsentieren.  Gleichzeitig wollen wir Modelle prüfen und umsetzen, die eine Struktur unterhalb der Stadtverordnetenversammlung, die letztlich für ein flächenmäßig riesiges Gebiet Verantwortung trägt,  schafft. Damit sollen die örtliche Themen und die Besonderheiten der einzelnen Orte weiterhin wahrgenommen und  berücksichtigt werden. Auch hier bedarf es jedoch aktiver Mitbürgerinnen und Mitbürger, die hieran mitwirken.

 

 

Was entgegnen Sie dem Bürger, der Angst hat, dass er in einer Stadtgemeinde Oberzent nur noch unter „ferner liefen“ rangiert?

 

Thomas Ihrig: Die neue, zusammengefasste Stadt besteht in der Tat  aus 19 sehr unterschiedlich großen Orten von der Kernstadt Beerfelden (über 3.300 Einwohner)  bis zur Raubach (unter 50 Einwohner). Der Blick in die Geschichte zurück zu den Gebietsreformen vor rund 45 Jahren belegt nach meiner Wahrnehmung, dass seit dieser Zeit keine Orte abgehängt oder unbeachtet von der Kommunalpolitik der Gesamtgemeinde vor sich hin lebten. Die Mandatsträger in den letzten Jahrzehnten haben den Blick verantwortungsvoll auf alle Dörfer gerichtet und überall als notwendige erkannte Maßnahmen und Investitionen umgesetzt. Es ist für mich nicht erkennbar, warum dies künftig anders sein sollte. Durch die unter 2. erwähnten Überlegungen wird diese Gefahr ebenfalls vermieden.

 

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