Karl-Friedrich Frese, (55), ist seit 23 Jahren Bürgermeister von Bromskirchen. Die Gemeinde ist mit knapp 1900 Einwohnern die kleinste im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg und grenzt an den nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis. Die Verwaltungsgemeinschaft mit Allendorf besteht seit Jahresanfang.

 

Herr Frese, warum entschied man sich in Ihrer Kommune für einen Gemeindeverwaltungsverband?

 

Karl-Friedrich Frese: Nach den in der Vergangenheit in Hessen und anderen Bundesländern gemachten Erfahrungen sind freiwillige Zusammenschlüsse von Städten und Gemeinden nicht mehrheitsfähig. Selbst wenn es die kommunalen Gremien wollen und aktiv vertreten, gibt es bei den Bürgern Vorbehalte. Oft sind das keine rational nachvollziehbaren Gründe, sondern eher Emotionen und pauschale Annahmen mit dem Inhalt: „Es wird schlechter“.

Ähnlich schätzte ich die Situation hier in Bromskirchen ein, zumal unsere Gemeinde mit 1900 Einwohnern gegenüber 5600 Einwohnern in Allendorf (Eder) der Juniorpartner von allem Gemeinsamen ist. Und es gibt auch noch die nur von alters her bekannten „Rivalitäten“ zwischen den Dörfern. Also konnte nur die Verwaltungsgemeinschaft in Frage kommen, wenn man die Verwaltungen zusammenführen, dadurch effektiver, leistungsfähiger und kostenminimierend gestalten will.

 

Wie sind Ihre Erfahrungen bisher?

 

Karl-Friedrich Frese: Meine Erfahrungen nach zehn Monaten Verwaltungsgemeinschaft sind durchweg positiv. Die Zusammenarbeit wird jeden Tag intensiver. Wir haben in diesem Jahr bereits rund 20.000 Euro an Sach- und Verwaltungskosten eingespart sowie insgesamt eine Stelle in beiden Verwaltungen. Hinzu kommt die Einsparung einer ganzen Stelle bereits zuvor, als die beiden Gemeindekassen zusammengelegt wurden. Und einer halbe Stelle durch das 2012 gebildete gemeinsame Standesamt. Aufgrund der positiven Erfahrungen beraten die Gremien derzeit über die Zusammenführung der beiden Bauhöfe ab 1. Januar 2016. Es ist erkennbar, dass entsprechend beschlossen wird.

 

Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie wieder den gleichen Weg beschreiten oder vielleicht gleich eine Fusion anstreben?

 

Karl-Friedrich Frese: Realistisch betrachtet, beschreiten wir den „Königsweg“, weil halt die Fusion die große Gefahr birgt, nicht mehrheitsfähig zu sein. Zuversichtlich hoffe ich aber, dass die positiven Erfahrungen, die die Menschen vor Ort bereits jetzt mit der Verwaltungsgemeinschaft haben und (hoffentlich) verstärkt in der kommenden Zeit machen werden, den Weg in Richtung einer Fusion in ein paar Jahren ebnen. Für mich ist dies das anzustrebende Fernziel, weil die Verwaltungsgemeinschaft neben allem Positiven ein Stück weit zu Mehraufwand (Gremien, weiterer Haushaltsplan etc.) führt.

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