Mut zu Veränderungen und neuer Gestaltungskraft

von Horst Schnur, Landrat a.D.

 

Immer wenn sich Veränderungen abzeichnen und alte Gewohnheiten infrage gestellt werden, gibt es erfahrungsgemäß Bedenken und Vorbehalte. Das ist verständlich. Menschen mit Lebenserfahrung sagen jedoch, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt, wenn man erkennt, dass nichts bleiben kann wie es ist, wenn es besser werden soll.

 

 

 

Gestaltungsmöglichkeit

 

Die gegenwärtige Situation in den Kommunen ist bekanntermaßen derart schwierig, dass kaum Gestaltungsmöglichkeiten für die Verantwortlichen in der Kommunalpolitik bleiben. Der Bevölkerungsrückgang, den man gemeinhin mit dem Begriff „demographischer Wandel“ bezeichnet, und die finanziellen und wirtschaftlichen Bedingungen unserer kleinen Odenwaldgemeinden in der Oberzent drohen in Ratlosigkeit zu ersticken. Daher haben die Verantwortlichen unter dem Begriff der „Interkommunalen Zusammenarbeit“ einen Schritt gewagt, über neue Formen der vier Oberzent-Gemeinden nachzudenken.

 

Transparente Überlegungen

 

Diese Überlegungen werden sehr transparent mit den gewählten Vertretern und der Öffentlichkeit besprochen. Dies hat dazu geführt, dass weite Teile des Landes Hessen und insbesondere die Landesregierung in Wiesbaden mit größter Aufmerksamkeit auf unsere Aktivitäten blickt. Sie bestaunen unsere Kreativität und sehen in unserem Vorhaben ein Modell für ganz Hessen, das als unterstützenswert bezeichnet wird.

 

Mittlerweile ist allen Gesprächsteilnehmern bewusst, dass ein „weiter so wie bisher“ nicht zukunftsweisend sein wird und den neuen Anforderungen und Ansprüchen zur Gestaltung der Aufgaben nicht gerecht wird.

 

Gemeindeverwaltungsverband oder ein Zusammengehen

 

Der Vorschlag für eine Zusammenarbeit in einem Gemeindeverwaltungsverband baut Bürokratie nicht ab, sondern macht die kommunale Arbeit unübersichtlicher und kompliziert.

Eine Mehrheit in der seitherigen Umfrage spricht sich daher begreiflicherweise für ein Zusammengehen der vier Kommunen zu einer neuen Stadt aus. Verständlicherweise wirft eine solche „kommunale Hochzeit“ eine Vielzahl von Fragen auf, die systematisch abgearbeitet und der gesamten Bürgerschaft sowohl im Internet als auch auf diesen Seiten und in weiteren Informationsveranstaltungen dargestellt werden.

Wichtig ist dabei, dass wir uns auf unsere gemeinsamen Stärken in der Oberzent besinnen und alle den schon seither spürbaren Zusammenhalt begreifen und nutzen.

 

Oberzent als Ganzes

 

Wir müssen die Oberzent als Ganzes auffassen und betrachten. Einer braucht den anderen. Das gilt für die Kommunen ebenso wie für die Vereine. Nur so kann ein Gemeinwesen mit einer zukunftsfähigen Struktur auf Dauer bestehen. Bei allem „Tälerstolz“ darf es keine Ausgrenzungen untereinander und keine Überheblichkeiten anderen gegenüber geben. Wir leben in einem „Geben und Nehmen“.

 

Schule / Kinderbetreuung

 

Das gilt für die Wege der Schüler und das gute schulische Angebot sowie für den Erhalt der derzeitigen Schulstandorte. Das gilt ebenso für die Kinderbetreuung und für alle Aufgaben der Versorgung und der Entsorgung. Daran erkennt man spürbar, wie abhängig wir voneinander sind.

 

Internet als Chance

 

Das schnelle Internet gibt uns eine Chance, Entfernungen und Zeit bei der Abwicklung von Verwaltungsvorgängen schrumpfen zu lassen. Dennoch wird die Bürgernähe eine wichtige Bedingung sein, dass die Menschen in den Ortschaften sich nicht abgehängt fühlen. Dazu wird es Vorschläge geben.

 

Entwicklungsplan für die Zukunft

 

Gemeinsame und zukunftsorientierte Strategien in den Kommunen und in den gemeinschaftsbildenden Vereinen werden in kluger Weise gefordert. Entwicklungslinien und ein gemeinsamer Stadtentwicklungsplan für das ganze Gemeinwesen werden unter aktiver Beteiligung aller gefordert.

Gemeinsames Denken und nicht auf Eigensinn und unkluger Eigensucht ausgerichtetes Wollen wird Zukunftskraft geben.

 

Staunen und Bewundern

 

Wir werden mit dieser Grundeinstellung die staunenden und bewundernden Blicke aus dem Land Hessen weiterhin auf uns gerichtet sehen, was zu höheren Summen aus dem Finanzausgleich und zu einer Verringerung der derzeitigen Schuldenlast führen wird. Dadurch entstehen Gestaltungsspielräume, die in ihrer Gesamtheit ebenso gemeinsam für das Gemeinwohl in der Oberzent genutzt werden können.

Unterstützen Sie vertrauensvoll die Akteure bei ihrem Vorhaben und lassen Sie sich mit frohem Mut zur „kommunalen Hochzeit“ eingeladen sein.

Drei Fragen an Horst Schnur

 

Herr Schnur, welche Argumente sprechen Ihrer Meinung nach für eine Fusion der vier Oberzent-Gemeinden?

 

Horst Schnur: Die gegenwärtige Situation in den Kommunen ist bekanntermaßen derart schwierig, dass kaum Gestaltungsmöglichkeiten für die in der Kommunalpolitik Tätigen bleiben. Der Bevölkerungsrückgang sowie die finanziellen und wirtschaftlichen Bedingungen unserer kleinen Odenwaldgemeinden werfen immer mehr Fragen auf, die allein nicht mehr gelöst werden können. Daher haben die Verantwortlichen unter dem Begriff der „Interkommunalen Zusammenarbeit“ einen mutigen Schritt gewagt, über die Zukunft nachzudenken.

Mittlerweile ist allen bewusst, dass ein „Weiter so wie bisher“ nicht zukunftsweisend sein kann und den kommenden Aufgaben nicht gerecht wird. Der Vorschlag eines Gemeindeverwaltungsverbands baut Bürokratie nicht ab, sondern macht die kommunale Arbeit unübersichtlicher und kompliziert. Daher erscheint mir ein Zusammengehen der vier Kommunen zu einer neuen Stadt als sinnvollste Lösung.

 

Was versprechen Sie sich von einem Zusammengehen?

 

Horst Schnur: Weite Teile des Landes Hessen und insbesondere die Landesregierung blicken mit größter Aufmerksamkeit auf unsere Aktivitäten. Sie bestaunen unsere Kreativität und sehen in unserem Vorhaben ein Modell für das ganze Bundesland, das als unterstützungswert bezeichnet wird. Höhere Summen aus dem Finanzausgleich und eine Verringerung der derzeitigen Schuldenlast sind positive Nebeneffekte. Dadurch entstehen wiederum Gestaltungsspielräume, die in ihrer Gesamtheit ebenso gemeinsam für das Gemeinwohl in der Oberzent genutzt werden können.

 

In den kleinen Dörfern spüren die Menschen die täglichen Nöte bei den Fragen der Versorgung mit Alltagsbedarf, der kommunalen Infrastruktur, der Mobilität und des Weiterbestehens der Vereine. Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass wir einen Stadtentwicklungsplan auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme erstellen, um die öffentlichen, die privaten sowie durch Vereinsorganisationen getragenen und öffentlich genutzten Einrichtungen zu erfassen und in ihrer Bestandskraft zu definieren (Erhaltung und Investitionen).

 

Wie kann man sicherstellen, dass die Belange der Bürger in den entlegenen Ortsteilen in einer Großgemeinde angemessen repräsentiert werden?

 

Horst Schnur: Verständlicherweise wirft eine solche „kommunale Hochzeit“ eine Vielzahl von Fragen auf, die systematisch abgearbeitet und der gesamten Bürgerschaft dargestellt werden müssen. Wir müssen die Oberzent als Ganzes auffassen und betrachten. Einer braucht den anderen. Das gilt für die Kommunen ebenso wie für die Vereine. Nur so kann ein Gemeinwesen mit einer zukunftsfähigen Struktur auf Dauer bestehen. Bei allem „Tälerstolz“ darf es keine Ausgrenzungen untereinander und keine Überheblichkeit anderen gegenüber geben. Das schnelle Internet gibt uns eine Chance, Entfernungen und Zeit bei der Abwicklung von Verwaltungsvorgängen schrumpfen zu lassen. Dennoch wird die Bürgernähe eine wichtige Bedingung sein, damit sich die Menschen in den Ortschaften nicht abgehängt fühlen.

 

In vielen Gesprächen merke ich, dass es immer wieder Ängste in der Bürgerschaft vor den Veränderungen gibt. Das ist in den Beerfeldener Stadtteilen weniger akut als in den selbständigen Gemeinden und ihren Ortsteilen.

 

Wir müssen bekennen, dass Änderungen auch Veränderungen mit sich bringen. Davor muss aber niemand Angst haben, weil alles lösbar und sinnvoll sein wird und schließlich sich als positiv erweisen wird, auch wenn manches in seiner Andersartigkeit eine Gewöhnung erfordert. Meistens sind es banale Fragen, wie Änderung der Straßennamen und vor allem: „Wer kümmert sich um unsere Anliegen?“ Wichtig ist, dass wir das Gefühl vermitteln, dass kein Ortsteil an die Wand gedrückt wird. Aus der Befürchtung, „geschluckt zu werden“, ergeben sich eine Reihe von Fragestellungen.

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