Claus Spandau (61)

Geschäftsführer des Kompetenzzentrum für Interkommunale Zusammenarbeit

 

kikz

Herr Spandau, worin sehen Sie die Vorteile der Interkommunalen Zusammenarbeit ? 

 

Claus Spandau: Die wesentlichen Vorteile Interkommunaler Zusammenarbeit (IKZ) liegen zum Beispiel in der Qualitätssteigerung der Arbeitsergebnisse durch Spezialisierung der Mitarbeiter. Bei einer gemeinsamen Aufgabenerledigung mehrerer Kommunen bekommen diese ein weniger breites Aufgabenspektrum und können sich daher intensiver mit dem jetzt schmaleren Aufgabenbereich befassen, also tiefer in die Materie eindringen.

Durch die IKZ kann man auch bei fortschreitendem demografischen Wandel Dienstleistungen und Angebote der Kommune weiter anbieten, was aufgrund schrumpfender Einnahmen durch abnehmende Bevölkerung sonst nicht möglich wäre.Mit einer größeren Verwaltungseinheit würden Aufwand reduziert und Wirtschaftlichkeit erhöht: durch geringen Personaleinsatz und verringerte Sachkosten.Diese Wirkungen treten allerdings erst ab einer gewissen Größe der Kooperation hervor und sind abhängig von der Art der Festigkeit und ihrem Umfang. Je fester gefügt und je umfassender die IKZ, umso wirkungsvoller wird sie.  

 

Warum ist für Sie die IKZ gerade unter kleineren Gemeinden „die“ Lösung für die Zukunft?

 

Claus Spandau: Kleine Kommunen haben selbst bei Berücksichtigung eines geringeren Aufgabenbestandes als größere Kommunen im Verhältnis zu diesen geringere Einnahmen pro Kopf. Gleichzeitig haben die kleinen Gemeinden in der Regel spezifisch höhere Kosten bei der Erbringung einer Verwaltungsleistung. In kleinen Orten haben die Mitarbeiter ein teils deutlich breiteres Aufgabengebiet zu bearbeiten als in größeren.

Diese Fakten führen zwangsläufig zu finanziellen Schieflagen in kleineren Kommunen oder zu einer nur schwach ausgebauten öffentlichen Infrastruktur. Es können sich Qualitätsabstriche bei der Erbringung von Verwaltungsleistungen einstellen. Hier bietet die IKZ Möglichkeiten, durch Kooperation mit anderen Gemeinden gegenzusteuern. Eine Fusion wird die Wirkungen der IKZ besonders deutlich und umfassend zu Tage bringen.

 

Wie kann Ihrer Meinung nach Bedenken der Bürger gerade aus den sehr kleinen Ortsteilen begegnet werden, die fürchten, in der fusionierten „großen“ Stadt „unter die Räder“ zu kommen bzw. angehängt zu werden?

 

Claus Spandau: Grundsätzlich ist die geäußerte Befürchtung nicht von der Hand zu weisen. In einer kleinen Kommune ist die Möglichkeit, aber auch die Notwendigkeit der Einbeziehung des Einzelnen größer als in einer größeren. Daher sind die Bedenken ernst zu nehmen.Ein Vorhaben wie die jetzt favorisierte Fusion der vier Gemeinden muss ein Erfolg werden. Alle diejenigen, die sich jetzt für eine Fusion einsetzen, werden diese zu einem guten und bestandskräftigen Abschluss führen wollen. Dazu gehört auch, dass danach nicht durch Teile der Bevölkerung stetig darauf hingewiesen werden kann, dass vor einer Fusion „alles besser war“, man früher mehr Beachtung für seine Anliegen gefunden hat.

Dieses Szenario wird die Politik vor Augen haben und gerade auch im Wettstreit der Parteien und Fraktionen dafür sorgen, dass diese  Befürchtungen Beachtung finden und ihnen entgegen gewirkt wird durch frühzeitige und dauerhafte Maßnahmen zur Einbindung aller Bürger und deren Anliegen in die kommunalpolitischen Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse. Eine erkannte und im Wissen der Handelnden verhaftete Gefahr für einen langfristig erfolgreichen Fusionsprozess ist die beste Garantie für frühzeitiges und wirksames Gegensteuern.

 

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